Abschiede,Trauerbegleitung, Übergangsrituale
Gedichte

Seelenvogel


Gegrüßest seist Du,
Schwester der Dunkelheit,
Königin der Seelen.
Tief verborgen
Dein Reich,
gefürchtet,
gepriesen,
Trost und letzte Rast.
Jenen Ort kennst nur Du,
wandelst zwischen den Welten,
schöne Tochter der Nacht.
Machst uns Angst,
lässt erzittern
die Stolzen und
die Ausgestoßenen
gleichermaßen.
Unerbittlich bist Du
und gerecht,
lockst und verführst
die Einen,
erlöst die Anderen.
Mächtiger schwarzer Vogel,
geleite uns
wenn die Glocke schlägt.
(Andrea Homersen 2007)
Trauer

So lange schon
weint mein Herz
blutige Tränen …

trage ich den schwarzen Flor …

So tief
in mich
drang der Stachel des Todes …
in meine Seele

Wo bist Du hin?
Vater …
Mutter …
geliebtes Wesen …
Wohin entschwandet Ihr?

Für immer
heißt es
seid Ihr gegangen …

Wohin?

Ich suche Euch in allen Welten,
suche Euch in allen Wesen …

Doch verblasst
allmählich
die Erinnerung …
eine Ahnung noch
ein ferner Hauch …
blieb mir von Euch

Die Trauer bleibt
lebendig
und
die Einsamkeit ...

(Andrea Homersen  2010)
Einsamkeit

… und wieder allein …

Lachen … von fern …
unerreichbar …

Nähe … wo … ?

Wer … steht noch zu mir ?
Wie … Kontakt?

Als ob …

ich beobachte
das Leben …
von fern …
dabei … und doch … nicht …

ein Blick …
eine Geste …

Hoffnung …

nein … galt nicht mir …

Hallo?
Hört mich wer?
Seht Ihr mich … nicht …?
(Andrea Homersen 2010)
Cerridwen

Alt wie die Zeit,
weise und wissend,
tagein tagaus,
niemals müde,
bewachst Du
die Quelle,
hälst du die Fäden,
spinnst sie und schneidest sie,
rührst Du
im Kessel
jeden Tag,
jede Woche,
jeden Monat,
jedes Jahr,
jedes Leben,
alt und neu,
Vergehen
und
Entstehen,
Ewigkeit
der Zeit –
Unendlichkeit.
(Andrea Homersen 2007)

Neues Leben

Frisch gefallener Schnee bedeckt das alte Jahr,
alte Ängste, alte Freuden, alte Erde.
Frisch gefallener Schnee
glitzert, bricht das Licht,
hell und neu,
gleißendes Licht,
rein und weiß,
ein unbeschriebenes Blatt ...
noch kein Wort, kein Fußabdruck des Neuen
stört diesen Moment des Übergangs.

Bin ich schon bereit für Dich?
Für neue Gedanken, Ideen, Begegnungen,
für das neue Licht
oder möchte die Winterschläferin
sich noch einmal umdrehen im Traum?
Streift im Traum vielleicht die erste Ahnung
des Neuen - mich
wie eine Sternschnuppe,
die leise meinen Namen flüstert ...
und ein gehauchtes „Steh auf!“
verhallt im Schlaf.
Bald.
Bald ist es Zeit
fürs Neue
Leben.
(Andrea Homersen 2005)

Es gibt meine Gedichte in kleinen Heftchen und auch auf CD.